Von Gunter Niehus
Bergen - Günter Ackermanns Enkelkinder können sich freuen. Ab 8. August kann ihr Großvater in seiner Garage endlich die Puppenstube erweitern und jede Menge weitere tolle Sachen für sie basteln. Der Ruheständler Ackermann hat für Dinge Zeit, für die der Bürgermeister Ackermann keine hatte. Sieben Jahre lang war er Chef im Bergener Rathaus. Doch jetzt ist Schluss. „Lust hätte ich schon, noch weiterzumachen“, sagt Ackermann. „Doch mit 80 Jahren ist es einfach eine Vernunftentscheidung, aufzuhören.“
So haben die Bergener Günter Ackermann wohl selten gesehen. Nach seiner Amtszeit als Bürgermeister will er unter anderem für seine Enkel das Puppenhaus erweitern. FOTO: DAVID RÖTZSCHKE
Eigentlich hatte er damals gar nicht erst anfangen wollen. Doch als 2018 ein Nachfolger für den erkrankten Bürgermeisters Volkmar Trapp gewählt wurde, stand nur ein Name auf dem Stimmzettel: Stephan Schulze (AfD). Schulze stammte aus Plauen. Viele Bergener wollten aber lieber einen der ihren im Rathaus sehen. „Zumal Herr Schulz menschlich schwierig war“, sagt Ackermann diplomatisch zurückhaltend. Deshalb schrieben viele in Bergen Ackermanns Namen auf den Stimmzettel. Wenn es nur einen regulären Kandidaten gibt, lässt das Wahlgesetz diese Möglichkeit zu. Am Ende lag Ackermann tatsächlich vor Schulz. „Es wäre mir aber lieber gewesen, die Bergener hätten sich damals im Vorfeld auf jemand anderen verständigt“, so Ackermann. „Ich war damals ja auch schon 73.“ Die Wahl angenommen hat er trotzdem. Zu kneifen wäre ihm nie in den Sinn gekommen.
„Lust hätte ich schon, noch weiterzumachen.“ Günter Ackermann Bürgermeister von Bergen
Gehadert hatte er mit dem unverhofft errungenen Bürgermeisteramt auch nicht. „Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich hinschmeißen wollte“, blickt er zurück. Statt dessen warf er sich mit Feuereifer auf seine neue Tätigkeit. Eingewöhnen musste er sich nicht erst groß. Als stellvertretender Bürgermeister und dienstältester Gemeinderat hatte er für den erkrankten Volkmar Trapp schon länger die Geschäfte im Bergener Rathaus geführt. Zu Gute kam ihm nach eigener Einschätzung seine langjährige Tätigkeit für die Wismut.
„Da hatte ich gelernt, eine Aufgabe ordentlich und fristgerecht zu erledigen“, so Ackermann. Außerdem könne man nie wissen, was einem unter Tage vor der Hacke erwartet. „Jeder Tag ist anders. Man wusste nie, was kommt“, so der ehemalige Hauer, Steiger, Obersteiger und Bergbauingenieur. Nach der Wende war er für die Sanierung der Bergbaulandschaft in Ronneburg samt ihrer markanten Halden verantwortlich. All dies habe seinen Führungsstil als Bürgermeister geprägt. „Ewiges Diskutieren liegt mir nicht“, so Ackermann. Natürlich müssten Argumente ausgetauscht und abgewogen werden. Aber dies dürfe nicht ausarten und sich endlos hinziehen.
Der Noch-Bürgermeister Günter Ackermann will sich im Ruhestand mehr um seinen Garten kümmern - und dadurch auch seine Frau entlasten. FOTO: DAVID RÖTZSCHKE
So hat er es auch im Gemeinderat gehalten. „Wir haben gemeinsam für Bergen viel erreicht, auf das wir stolz sein können“, schätzt er ein. Selbstverständlich sei dies angesichts der klammen Gemeindekasse nicht. Immerhin eine von sechs Brücken im Ort habe man neu bauen können. Für weitere drei habe man die Tonnagen-Begrenzung absenken müssen, damit - im Interesse der Anwohner - zumindest Pkw bis 3,5 Tonnen weiter drüber fahren können. Das größte Projekt, das Ackermann in seiner Amtszeit angeschoben hatte, war die Erweiterung des Feuerwehrgebäudes.
Da Ackermann alle Details dieses aufwendigen Projekts kennt, würde er im Bauausschuss als beratender Bürger weiterarbeiten und sein Wissen einbringen. „Aber nur, wenn man das möchte“, betont er sofort. Auf keinen Fall will er seinen Rat dem künftigen Bürgermeister Enrico Trapp aufdrängen. Er kennt Beispiele aus anderen Gemeinden, in denen der Altbürgermeister seinem Nachfolger durch permanentes Belehren das Leben praktisch zur Hölle gemacht habe. Ackermann: „Das werde ich definitiv nicht machen!“
Eine Nachnutzung für die alte Schule hat Günter Ackermann nicht hinbekommen. Das nervt niemanden mehr, als ihn selbst. FOTO: DAVID RÖTZSCHKE
Eine Sache hätte der scheidende Bürgermeister dem künftigen Bürgermeister gern erspart: Wie geht es weiter mit der ehemaligen Schule? „Das Gebäude ist eigentlich ein Filetstück mitten im Ort“, so Ackermann. Doch die geplante Nachnutzung für altersgerechtes betreutes Wohnen habe einfach nicht geklappt. „Wir konnten bislang keinen passenden Investor dafür finden“, so Ackermann. „Das wurmt mich wirklich.“ (nie)
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