Von Sylvia Dienel
Werda und Bergen wollen das Trinkwasser vor der Haustür weiter geschützt wissen. . FOTO: SYLVIA DIENEL/ARCHIV
Bergen - In Amtsstuben und Sitzungsräumen herrscht Einigkeit: Auf Flurstücken des Verwaltungsverbandes Jägerswald soll kein Windrad stehen. Eine gemeinsame Stellungnahme der Verbandsgemeinden Bergen, Werda, Theuma und Tirpersdorf ist verfasst, Ende Juni wird sie der Verbandsversammlung zum Beschluss vorliegen. Für das Gebiet hat der Planungsverband Region Chemnitz allerdings sogenannte Vorrangflächen definiert. Fünf an der Zahl. Ob sie in Frage kommen, ist unklar. Nach Theuma und Tirpersdorf haben sich jetzt Bergen und Werda mit dem aktualisierten Raumordnungsplan Wind befasst.
Für Bergens Bürgermeister Enrico Trapp (Freie Wähler) ist das Ganze paradox. „Auf der einen Seite wird um jeden Baum gekämpft, auf der anderen Seite soll Wald großflächig gerodet werden“, reagierte er verständnislos. Bergen ist am Rande betroffen, unter anderem im Einzugsbereich der bewaldeten Geigenbach-Talsperre. Verbands-Bauamtsleiter Karsten Steudel sagte dazu, dass dieser Bereich als äußerst problematisch angesehen werde. Insbesondere wegen des Trinkwasserschutzgebietes. Außerdem gebe es eine Kräuter-Annahmestelle für Tees samt Rohstoffgewinnung vor Ort. „Das Gebiet würde durch Waldrodung vollständig zerstört werden.“
„Wir haben schon eine Menge PV-Anlagen.“
Marcel Teichmann Vize-Bürgermeister von Werda
Kritikpunkte enthält die Stellungnahme eine ganze Menge. „Vieles ist noch unklar“, sagte Karsten Steudel. Und einige Dinge seien für den Planentwurf gar nicht geprüft worden. Etwa die möglichen Auswirkungen von Geräuschimmission und Schattenwurf. In puncto Naturschutz habe eine ungeeignete Artendichte-Studie Anwendung gefunden. Bemängelt wird auch der Umstand, dass Bereiche rund um Straßen, Eisenbahnstrecken und Hochspannungsfreileitungen als Ausschlussgebiete gelten. Und über Flächennutzungspläne könne sich der Verband hinwegsetzen, nannte Steudel einen weiteren Punkt des Anstoßes. „Also gegen die eigene Meinung der Gemeinden. Das steht im Gegensatz zum Grundgesetz und zur sächsischen Verfassung.“ Ein entsprechender Plan der Jägerswald-Gemeinden ist in Arbeit. Auch auf Speicherkapazitäten kam Karsten Steudel zu sprechen. Es sei nicht möglich, Strom aus Windkraft auf Vorrat zu produzieren, betonte er. Und gar nicht sicher, ob überhaupt zusätzlicher Energiebedarf bestehe, äußerte sich Werdas Vize-Bürgermeister Marcel Teichmann (Feuerwehr Kottengrün) dazu. „Wir haben schon eine Menge PV-Anlagen.“
Auf einer Freifläche am Bergener Harzberg stehen bald sechs Einfamilienhäuser. Bis Jahresende soll der Bauplan-Entwurf fertig sein. Foto: Sylvia Dienel
Ortschefin Carmen Reiher (parteilos) beurteilt insbesondere die Nutzung von Wald als Windrad-Standorte als zu großen Eingriff in die Natur. Gleichzeitig gab sie zu bedenken: „Wenn der Plan nicht zustande kommt, besteht die Gefahr, dass künftig noch weitaus größere Flächen für Windenergieanlagen in Anspruch genommen werden könnten.“ Trotzdem solle sich jeder mit der Sache befassen, sagte sie. „Jeder hat die Möglichkeit, eine Stellungnahme einzureichen.“ Die Frist endet am 6. Juli.
Forstfachwirt Jens Pöhler sitzt für die Freie Wählervereinigung Am Eimberg im Werdaer Gemeinderat und hegt ähnliche Befürchtungen. Dennoch trägt er die Kritik mit. „Es ist auch noch nicht raus, wo Starkstromkabel verlegt werden“, sagte er. „Das ist ein paralleles Szenario.“ (dien)
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